Oracle Lizenzierung ab vSphere Version 5.1

VMware hat mit den letzten Versionen die Live-Migrationsfunktion vMotion schrittweise weiterentwickelt und damit deren HA Lösung für virtueller Server verbessert und die Flexibilität bei der Verwaltung der VMware Umgebung gesteigert. Mit dem Abbau technischer Einschränkungen beim Verschieben (vMotion) von virtuellen Servern haben sich aber auch Rahmenbedingungen für die Lizenzierung der darauf betriebenen Oracle Software ergeben, die sich dramatisch auf das erforderliche Oracle Lizenzvolumen auswirken.

Bei der Verwendung der Prozessor Metrik bei der Lizenzierung von Oracle Produkten wird nicht der einzelne Nutzer des Produktes lizenziert, sondern die Hardware, auf der die Software installiert ist („installed and/or running“ Regel) wobei sowohl Server wie auch Storage zu betrachten sind. Diese Lizenzierungsmetrik ist die mit Abstand am häufigsten verwendete, das sie (im Allgemeinen)

  • am einfachsten nachzuhalten ist,
  • bei leistungsfähigen Systemen mit vielen Usern kostengünstiger ist
  • oftmals auch (wie beim Einsatz von Multiplexing Software – Anbindung am Internet per Webserver) die einzig mögliche Lizenzierungsmetrik darstellt

Grob gesehen gelten dann also:

  • Die installed and/or running Regel (siehe Software Investment Guide / Online Transactional Oracle Master Agreement)
  • Erweiterungen und Ausnahmen dokumentiert in den verschiedenen „Customer Facing Documents“
  • Von Oracle nicht dokumentiert aber über Reviews und Empfehlungen „gelebte“ Interpretationen zur Anwendung der dokumentierten Lizenzierungsregeln

Änderungen bei VMware

Bei der Anwendung der Oracle Prozessor Metrik haben sich bezogen auf den Einsatz von VMware die Rahmenbedingungen nun wie folgt entwickelt:

Gültig für vSpere Version 3.0 – 5.0

  • Betrieb eines separaten VMware Clusters mit dediziertem Storage für virtuelle Server mit installierten Oracle Produkten
  • Verschieben von virtuellen Servern (vMotion) nur innerhalb des VMware Clusters möglich
  • Lizenzierung eingegrenzt auf aller ESXi Server des Oracle VMware Clusters
  • VMware Cluster + Storage Abgrenzung – eine von Oracle nicht offiziell kommunizierte aber angewandte Auslegung der „Installed and/or running“ Regel.

Ab vSpere Version 5.1 gilt

  • Verschieben von virtuellen Servern (vMotion) Cluster übergreifend innerhalb der selben Verwaltungsinstanz (vCenter) möglich
  • VMware Cluster zur Eingrenzung der Oracle Lizenzen nun aufgehoben – zu lizenzieren ist das gesamte vCenter
  • Abgrenzung des Lizenzumfanges nur noch über eigenes vCenter mit dediziertem Storage möglich

Ab vSpere Version 6.0 gilt (voraussichtlich)

  • Verschieben von virtuellen Servern (vMotion) dann auch vCenter übergreifend möglich
  • Keine Abgrenzung der Oracle Server innerhalb der VMware Infrastruktur mehr möglich.
  • Für Oracle Produkte (Prozessor Metrik) wird die gesamte VMware Infrastruktur lizenzpflichtig (alle ESXi Hosts).

Das Resultat

Die Auswirkungen sind dramatisch. Nicht nur in Bezug auf den Lizenzumfang und die damit einhergehenden Kosten zur Nachlizenzierung bei bestehenden Oracle Installationen ohne jeglichen technischen Mehrwert. Sondern auch aufgrund des Verlustes jeglicher Planungssicherheit für den Einsatz neuer Oracle Installationen auf VMware Basis.

Das ist auch der Grund für den immensen Aufschrei in der Oracle Community. Der dafür organisierte Lizenzvortag von Michael Paege auf der DOAG2014 musste wegen Überfüllung viele Teilnehmer abweisen. Das kommt wahrlich selten vor. Und auch auf der Oracle Open World 2014 wurde das Thema vielfach unter anderem auch von der DOAG selbst an Oracle adressiert. Getan hat sich seitens Oracle aber bisher nichts. Die Oracle Kunden werden mit dieser Situation „alleine“ gelassen.

Möglichkeiten als Ausweg aus dem Dilemma:

  • A) ReDesign der Oracle Lizenzmetriken – offiziell nicht in Sicht – aber dennoch zu erwarten insbesondere, da auch noch kein Lizenzmodell für den Betrieb von Oracle Produkten in der Cloud existiert.
  • B) Dedizierte Virtualisierungslösung (HyperV, OVM, ..) für Oracle Produkte.
  • C) Verwendung einer Virtualisierungslösung, die als Hard Partitioning von Oracle anerkannt ist.
  • D) Migration der Oracle Produkte auf Hardware (Managed/Convered Systems) wie z.B. Exadata, Oracle Database Appliance, oder ähnliches anderer Hersteller
  • C) Abschluss einer individuellen vertraglichen Einigung mit Oracle wie z.B. einem Unlimited License Agreements zur temporären Absicherung der Lizenzierungsrisiken.

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